Grußwort von Bundespräsident a. D. Dr. Richard von Weizsäcker

 
Als Menschen wollen wir im Zeichen der Freiheit leben. Es ist schwer, sie zu erringen, sie zu bewahren, in ihr zu bestehen.

Die zentrale Frage lautet, wie sich Lebenschancen mehren und ausbauen lassen, basierend auf Freiheit, Recht, demokratischer Mitbestimmung, auf Überwindung lebensbedrohender Armut, auf ausreichender Sicherheit.

Wir müssen Schritt für Schritt nach Antworten suchen. Zunächst für uns in Deutschland, denn Sorgfalt muss zu Hause beginnen. Die Welt ist aber größer als der Westen, und sie wächst zusammen. Auch das müssen wir in den Blick nehmen.

Es ist möglich und dringend nötig, sich auf gemeinsame ethische Grundlagen zu verständigen. Daher dürfen wir die Suche nach einem Weltethos nicht, wie es neuerdings so oft geschieht, lächerlich machen, sondern sollten sie mit ganzem Ernst vorantreiben. Dazu gehören die Achtung vor dem Leben, die Überwindung von Armut, der Schutz der Natur.

Wir haben unsere Zukunft zu einem großen Teil selbst in der Hand. Wir sind Mitschöpfer. Nutzen wir unsere Chance – in Verantwortung vor der Schöpfung, im Vertrauen auf die Evolution, an der wir mitwirken können und in der Hoffnung, dass auch in dem scheinbar Chaotischen eine höhere, uns tragende Ordnung waltet.

Haben wir eine größere Aufgabe, als die Schöpfung zu bewahren und damit die Nachwelt zu schützen? Ich kenne keine.

Ich wünsche dem CALUMED-Kongress 2010 „Chaos – Schöpfung – Evolution – Was die Welt im Innersten zusammenhält“ Erfolg.