Freiheit die wir meinen

Wir alle wollen eine freie und offene Gesellschaft. Ob wir wirklich in einer solchen leben, kann über weite Strecken bezweifelt werden. Vielleicht haben wir – zumindest im Westen – zu lange und zu wenig bewusst von den Früchten der Freiheit gekostet, so dass wir ihrer Erosion zu wenig Beachtung schenken?

Freiheit kann nur durch die Gewährleistung von Privatsphäre, eine Wahrung der Möglichkeit unterschiedlicher Lebensweisen, vertrauliche Kommunikation und einen freien Zugang zu Informationen und Bildung gewahrt werden. Privatsphäre ist ein wichtiger Teil unserer menschlichen Würde – und zwar in allen Lebensbereichen. De facto aber erleben wir einen schleichenden Verfall von Bürgerrechten, wie etwa die jüngsten Diskussionen über das Recht auf informationelle Selbstbestimmung belegen mögen.

Bürgerrechte werden sukzessive abgebaut. Vor allem bestehende Hartz-IV-Regelungen, die zunehmende Vermischung der Kompetenzen von Polizei, Geheimdiensten und Militär sowie die Auslagerung hoheitlich staatlicher Gewalt an private Unternehmen mögen den schleichenden Abbau der bürgerlichen Rechte belegen. Der wachsende ökonomische und soziale Druck verführt zudem zu immer intensiveren Anpassungsleistungen.

Wenn wir für gewöhnlich über Freiheit sprechen, dann oft als Freiheit ‚von’. Frei von Beschränkungen und Zwängen, frei von Sorgen und Nöten. Wenn wir im Rahmen dieses Calumed-Kongresses von Freiheit sprechen, dann ist es die Freiheit ‚zu’: Die Freiheit, das Leben frei zu gestalten, neue Wege zu gehen, die Freiheit, sich mitwirkend in das Gemeinwohl einzubringen.

Calumed möchte zur Bewusstseinsbildung beitragen und Antworten finden auf die Frage nach noch ungenutzten Vitalkräften unseres Daseins, der Bedeutung dessen, was wir Freiheit nennen und wie wir neue Wege in die Freiheit beschreiten können.

Kongress 2012

In seinem Grußwort, mit dem Bundespräsident a. D. Dr. Richard von Weizsäcker den Calumed-Kongress 2010 ehrte, schrieb er:

Wir müssen Schritt für Schritt nach Antworten suchen. Zunächst für uns in Deutschland, denn Sorgfalt muss zu Hause beginnen. Die Welt ist aber größer als der Westen, und sie wächst zusammen. Auch das müssen wir in den Blick nehmen.

Es ist möglich und dringend nötig, sich auf gemeinsame ethische Grundlagen zu verständigen. Daher dürfen wir die Suche nach einem Weltethos nicht, wie es neuerdings so oft geschieht, lächerlich machen, sondern sollten sie mit ganzem Ernst vorantreiben. Dazu gehören die Achtung vor dem Leben, die Überwindung von Armut, der Schutz der Natur.

Wir haben unsere Zukunft zu einem großen Teil selbst in der Hand. Wir sind Mitschöpfer. Nutzen wir unsere Chance – in Verantwortung vor der Schöpfung, im Vertrauen auf die Evolu- tion, an der wir mitwirken können und in der Hoffnung, dass auch in dem scheinbar Chaotischen eine höhere, uns tragende Ordnung waltet.

Haben wir eine größere Aufgabe, als die Schöpfung zu bewahren und damit die Nachwelt zu schützen? Ich kenne keine.

Diese Worte haben bis heute nichts von ihrer Gültigkeit verloren und daher veröffentlichen wir sie an dieser Stelle erneut