Vortrag "Transparenz als Voraussetzung eines humanen Gemeinwesens"

von Dr. Anke Martiny

Die Forderung nach Transparenz wird überall erhoben, wo Bürgerin und Bürger sich im Dschungel der Informationsvielfalt nicht mehr zurechtfinden. Werden wir nicht zugeschüttet und erstickt durch gesetzliche Vorschriften, Medien, Werbebotschaften, individuelle Nutzungsverträge für Waren und Dienstleistungen? Kann jede(r) Einzelne das wirklich alles verstehen, beherzigen, verdauen? Müssen wir jetzt alle perfekt in der Nutzung von Mobiltelefonen, dem Internet, den Sozialen Medien sein, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können? Was geschieht, wenn man sich verweigert?

Transparenz hat Grenzen. Sie ist eine Bringschuld der staatlichen Ordnung: Bürgerin und Bürger sollen erfahren können, wie Regierung, Verwaltung, Rechtsstaat funktionieren. Aber sie müssen sich nicht um alles kümmern, sondern eben diese staatliche Ordnung muss sie auch vor Überforderung, Übervorteilung, vor dem „Recht des Stärkeren“  und vor dem Ausspähen ihres privaten Lebens schützen.